STILGesichter: Mein Besuch bei Anika in Kappeln. Ein Gespräch über Mode, Lebenslust und warum Vintage glücklich macht

Anika Kammer Stilgesichter Relana Dombetzki ALDO Magazin

„Ich liebe das Leben.“

Anika Kammer

Faszinierend, wie diese Frau jedem Tag ein Lächeln schenkt und mit ihrem Charme mühelos mit den Menschen ins Plaudern kommt. Mein Besuch bei Anika Kammer in Kappeln.

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Wie warm, schön und glücklich sich das Leben anfühlt, erfahre ich immer wieder, wenn ich die Gartenpforte zum Stadthaus von Anika öffne. Die Hektik des Lebens bleibt draußen und in diesem Gartenhof entfaltet sich sofort diese besondere Willkommens-Atmosphäre, die ich schon seit so vielen Jahren erleben darf.
Es ist Montag. Der Septemberhimmel kündigt den Herbst an und ich bin mit Anika (47) zum lockeren Modetalk für meine Rubrik STILGesichter in ihrem Haus in Kappeln verabredet. Während ich die Gartenpforte hinter mir schließe, kommt die Golden-Retriever-Dame Xena auf mich zugelaufen und bevor ich ins Haus gehe, kraule und streichle ich sie ausgiebig. Anika steht lachend in der Terrassentür und winkt mich ins Haus hinein. Der große Esstisch ist mit einem Arrangement aus Blumen und Kerzen dekoriert. Die Katze liegt schlafend unter dem Tisch und in der Küche surrt der Kaffeeautomat.
Seit 30 Jahren verbindet mich mit Anika eine tiefe Freundschaft und auch an diesem Tag steht sie gutgelaunt vor mir und lässt mich dieses warme Gefühl spüren, willkommen zu sein. Mit sich selbst freundlich und nachsichtig sein, jeden Tag positiv sehen, den Menschen aufmerksam und mit einem Lächeln begegnen und das Leben genussvoll leben, ist ihr Lebensmotto. Ihren Modestil hat sie schon lange gefunden und mixt stilsicher liebgewonnene Basics mit aktuellen Trends. Während ihrer Zeit in London entdeckte sie ihre Liebe für Vintage und bummelt heute noch gerne über Flohmärkte oder stöbert online nach besonderen Stücken. Ihre Stilsicherheit zeigt sich auch in der Einrichtung ihres Hauses, welches eine Mischung aus modernem Interior und dem Scandinavian Style ist.
„Es darf niemals einfach nur hingestellt aussehen.“, sagt sie und verrät mir, dass das Geheimnis des Arrangierens immer das Mixen von Materialien, Mustern und Farbe ist.

Anika, könnte der Satz „Jeder Tag ist ein guter und glücklicher Tag“ dein Lebensmotto beschreiben?
Auf jeden Fall. Ich liebe das Leben und ich glaube, dass Leben liebt mich.

Dieses Lebensglück trägst du schon immer in dir, oder?
Ja, ich glaube schon. Ich versuche in jedem Tag das Positive zu finden. Es gibt Tage, die laufen nicht so, wie ich es mir wünschen würde oder etwas gefällt mir ganz und gar nicht. Und trotzdem versuche ich in allem die positiven Dinge zu sehen und begegne dem Tag immer mit Fröhlichkeit und einem Lächeln.

Wie entscheidest du morgens, welche Kleidung du anziehst?
Mein Modestil ist auch immer Ausdruck meiner Laune und unterstreicht mein Körpergefühl. Es gibt Tage, an denen ich morgens spüre, dass es mir nicht gut geht oder ich mich nicht wohl in meiner Haut fühle. Dann wähle ich ein gemütliches Outfit für den Tag und trage bequeme Sneaker, anstatt mich in Pumps oder enge Stiefel zu zwängen. Mein Körpergefühl bestimmt meine Outfitwahl. Ich würde auch sagen, mein Körpergefühl leitet mich durch meinen Kleiderschrank.

Wenn sich dein Körpergefühl am Tag verändert, würdest du dann auch das Outfit wechseln?
Ja, das kann passieren. Wenn ich spüre, dass mein Tag positiv war und ich mich gut fühle, wechsle ich mein Outfit. Je nachdem, was für Anlässe der Tag noch bereithält, kann es auch passieren, dass ich mich mehrmals am Tag umziehe.

Anika Kammer Stilgesichter Relana Dombetzki ALDO Magazin

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Auf meiner Fahrt zu dir bin ich durch einen Mix aus Sonne, Wolken und Regen gekommen. Du hast mich lachend begrüßt mit den Worten: „Ich habe mich heute schon dreimal umgezogen.“ Das kann auch passieren?
Oh ja, auf jeden Fall. Ich liebe die Wärme und bin ein absoluter Sommermensch. Wenn die Sonne scheint, geht es mir immer gut. Und gerade jetzt, bei diesem Wettermix und den ersten Anzeichen des Herbstes, versuche ich jeden warmen Sonnenstrahl zu erhaschen und schlüpfe gerne nochmal in eine kurze Hose. Es kann aber auch passieren, dass mir kurze Zeit später wieder kalt ist und ich mich nach einer kuscheligen Wolljacke fühle. Heute ist so ein Kleiderwechseltag.

Kannst du dich an deinen ersten, richtigen Modemoment erinnern?
Den hatte ich in meiner Teenagerzeit. Auch mein Kleidungstil war geprägt von den damaligen Jugendzeitschriften. Wir sahen alle gleich angezogen aus und ich wollte mich mit meinem Stil von den anderen abheben und hatte meine ersten, kreativen Phasen. Was genau ich anders gemacht habe, kann ich gar nicht sagen aber ich erinnere mich, dass ich schon damals von meiner Laune und meinem Körpergefühl geleitet wurde. Dem bin ich bis heute treu. Es gibt Tage, da möchte ich mit meiner Kleidung auffallen und an anderen Tagen mich eher sanfter, unauffälliger kleiden.

Anika Kammer Stilgesichter Relana Dombetzki ALDO Magazin

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Hat dein Elternhaus dich in Sachen Mode geprägt?
Nein, überhaupt nicht. Aber, meine Eltern haben mich immer machen lassen. Ich durfte meinen Stil leben. Es gab aber auch Moderegeln. So durfte der Rock nicht zu kurz sein und bauchfrei gekleidet in der Schule war tabu. Das halte ich heute noch für eine gute Sache.

Kann Kleidung wie ein Rüstzeug wirken, die dich stark, stabil und positiv durch den Tag trägt?
Absolut. Kleidung macht viel mit der eigenen Selbstwahrnehmung und ich glaube sie kann das eigene Selbstbewusstsein stärken. Wenn ich mich gut kleide, trägt mich das positiv durch den Tag und ich fühle mich einfach gut. Und wenn dann noch ein Kompliment um die Ecke kommt wie: „Du siehst heute aber toll aus.“ oder „Du bist aber schick gekleidet.“ Dann ist das ein verdammt gutes Gefühl.

Du bekommst Komplimente?
Ja manchmal. Und auch manchmal von Frauen. Das finde ich toll. Denn ein Kompliment von einer Frau ist ehrlicher als von einem Mann.

Frauen sind immer sehr selbstkritisch und oft wirken sie unsicher und unentspannt. Und sie betrachten sich gegenseitig gerne mit Neid und Missgunst und geben selten einer anderen Frau ein Kompliment für ihr Aussehen. Diese Missgunst lebst du nicht. Du machst einer Frau ein Kompliment und sagst ihr, wie toll sie aussieht, oder?
Ich mache das sogar sehr oft. Wenn mir an einer Frau etwas positiv auffällt, oder mir ihr Outfit gefällt, dann spreche ich diese Frau an und sage ihr, wie fantastisch sie aussieht. Ich habe überhaupt keine Scheu, fremde Frauen anzusprechen. Mein Kompliment kommt immer ehrlich aus dem Moment heraus und ich bekomme immer ein schönes Lächeln von der Frau zurück, die sich über mein Kompliment freut.

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Ich möchte gerne nochmal in deine Jugend zurückschauen. Gab es ein Kleidungsstück, welches du sehr geliebt hast?
-Anika lacht-
Mein Kinderzimmer war mit einer Rosa-Wölkchen-Tapete tapeziert.
Ach wie schön, dass du mich das fragst. Vor einigen Tagen sprach ich erst mit meiner Mutter darüber. Diesen Sommer kaufte ich mir ein langes, nudefarbenes Kleid. Es ist eines dieser Kleider, welches ich gerne abends, gemütlich zu einem Glas Wein anziehe. Es fühlt sich ganz kuschelig an und erinnert mich sehr an mein Nachthemd aus Kindertagen. Meine Mutter erzählte mir, dass meine Tante mir dieses Nachthemd schenkte und ich es so geliebt hatte, dass es irgendwann voller Löcher und wirklich nicht mehr tragbar war. Es war apricotfarben und fühlte sich auch ganz kuschelig an, wie das neue Kleid.

Gibt es heute auch ein Kleidungsstück, welches du sehr liebst?
Ja, es gibt ein Kleidungsstück. Ich habe vor ungefähr 25 Jahren einen karierten Blazer gekauft und ihn in der Zeit, als ich meinen Mann Holger kennenlernte, sehr oft getragen. Er ist heute noch aktuell und ich habe erst jetzt, nach so vielen Jahren, im Second Hand die dazu passende Weste gefunden. Ich liebe diesen Blazer. Er ist so zeitlos und wird für immer in meinem Kleiderschrank bleiben.

Wann hat sich dein Modestil gefestigt?
Für mich war meine Ausbildungszeit in einer Anwaltskanzlei sehr prägend. Dazu muss ich sagen – Anika lacht – ich machte meine Ausbildung in den 90igern und die Kombination Blazer, Jeans und hohe Pumps war damals sehr angesagt. Das gefiel mir und ich fühlte mich immer gut gekleidet. Diesem Stil bin ich bis heute treu geblieben. Nur die hohen Pumps tausche ich immer öfter gegen bequeme Sneaker.

Und was ist mit den heutigen Modetrends? Lässt du dich von ihnen beeinflussen?
Ja schon etwas. Gerade wenn mein Sohn Justus um die Ecke kommt, mich anschaut und sagt: „Mama, die Röhre ist total out.“, dann schaue ich schon nach den Trends der Zeit. Aber ich mache nicht mehr jeden Trend mit. Ich habe meinen Stil gefunden und ich schaue lieber, dass ich einen Trend, der mir gefällt, in abgespeckter Form mitmache.

Ich weiß von dir, dass du unheimlich gerne Vintage trägst, nicht wild und maßlos einkaufst, sondern – gerade auch bei den Trends – schaust, welches neue Kleidungsstück gut in deinen Kleiderschrank passen würde und sich gut in deinen Stil integrieren lässt.
Absolut. Ich bin ein großer Fan davon, lieber erstmal im Second Hand oder auf Online-Plattformen für Vintage-Mode zu schauen, ob ich das geliebte Kleidungsstück nicht gebraucht kaufen kann. Auch Kleidungsstücke, die mir vielleicht nicht mehr gut passen oder mittlerweile zu abgetragen sind, ich aber weiß, dass sie mich super kleiden, würde ich immer gebraucht nachkaufen.
Die Liebe zum Second Hand habe ich während meiner Zeit in London für mich entdeckt und sehr ausgelebt. Es gibt in London die „Cancer-Research-Shops“, in denen gespendete Kleidung, Accessoires, Interior, Bücher und Elektronik verkauft werden und die Erlöse der Krebsforschung zugutekommen. Das finde ich großartig und in den Shops, in denen ich war, bin ich tollen Menschen begegnet, die sich ehrenamtlich engagieren und diese Shops zu kleinen Concept-Stores gestaltet haben. Das hat mich unheimlich angesprochen und begeistert. Seitdem bin ich ein Fan von Second-Hand-Geschäften.

Die Menschen in den Cancer-Research-Shops haben dir bestimmt viele Geschichten erzählt.
Oh ja und es sind diese Geschichten, die mich so begeistern. Deshalb gehe ich auch so gerne auf Flohmärkte. Manchmal frage ich mich, was versteckt sich wohl für eine Geschichte in diesem Teil. Das ist aufregend und spannend.

Ich kenne dich ja schon eine Weile und weiß, dass du unheimlich gerne mit Menschen im Kontakt bist und sehr das Gespräch liebst.
Das stimmt.

Aber, du bist auch eine kleine Schnäppchenjägerin und hast auf einem deiner letzten Flohmarktbesuche zwei hochwertige Kaschmirpullover für ganz kleines Geld gekauft.
-Anika lacht-
Und ich weiß, dass du mich um dieses Schnäppchen beneidest.
Ja die Schnäppchenjägerin kann ich nicht leugnen. Das macht schon Spaß und ich habe mittlerweile einige Schätzchen in meinem Kleiderschrank, die ich für kleines Geld erworben habe. Aber auch ich gebe Sachen, die ich nicht mehr benötige für kleines Geld an eine neue Liebhaberin gerne wieder ab. Ich muss auch sagen, dass es mir heute mehr Spaß macht, Second Hand zu kaufen, als in den klassischen Modegeschäften zu shoppen.

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Wenn ich meinen Blick in deinem Haus schweifen lasse, sehe ich eine bunte Stilmischung aus modernem Interior gepaart mit dem Scandinavian Style. Im Regal steht altes Geschirr und in der langen Fensterbank sind große Glasgefäße mit Blumen arrangiert. Wer ist hier bei euch für den Wohnstil verantwortlich?
Das arrangiere und gestalte nur ich. Mein Mann Holger überlässt das Einrichten komplett mir. Das liegt aber auch daran, dass er immer schon beruflich sehr viel unterwegs war und derzeit nur am Wochenende hier ist. Er lässt mir da freie Hand. Sagt aber auch sehr oft, wie schön ich unser Zuhause gestalte.

Ihm gefällt alles, was du dir für die Gestaltung einfallen lässt?
Ja, doch. Aber es gab auch schon Zeiten, da kam er von einem langen Auslandsaufenthalt nach Hause und das Haus war in rosa gestrichen.

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„Es ist alles erlaubt was gefällt. Das Miteinander mixen ist das Geheimnis.

Anika Kammer

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Diese Liebe zum Einrichten lebst du ja mittlerweile auch in deinem Job aus und bist in dem Interior- und Lifestyle-Unternehmen Lund & Larsen in Kappeln für die Beratung, die Gestaltung der Verkaufsflächen und den Verkauf der Produkte zuständig. Deine Dekorationen und Tischarrangements im Geschäft werden sehr bewundert. Es sieht nie nach Inszenierung, sondern immer leicht und locker aus.
Es darf nicht einfach hingestellt aussehen. Und ich liebe den bunten Mix aus Materialien.

Woher hast du diesen Blick für stimmige Arrangements?
Ich glaube, mich hat die erste Wohnung mit meinem Mann Holger sehr geprägt. Wir waren damals noch beide in der Ausbildung und da er im Ausland tätig war, habe ich unsere erste gemeinsame Wohnung alleine eingerichtet. Wir hatten damals nicht viel Geld und ich bekam alte Möbel von meinen Eltern, die ich irgendwie verschönern wollte. Ich habe versucht, das alte Sofa mit Tagesdecken und Kissen zu verschönern. Habe viel mit Tischdecken gearbeitet und immer Vasen und Dekoartikel zur Verschönerung arrangiert. Mit der Zeit wurde ich immer mutiger und bekam ein Gespür dafür, welche Materialien, Farben und Muster gut harmonieren.

Welchen Tipp hast du für eine gelungene Tischdekoration?
Es ist alles erlaubt was gefällt. Das Miteinander mixen ist das Geheimnis.

Zu deiner Familie gehören noch die Golden-Retriever-Dame Xena, die drei Hühner – ihr nennt sie liebevoll „Die drei Chicks“ -, die Muckis – das sind die drei Meerschweinchen deines Sohnes Justus – und die Katze „Betty“. Woher kommt diese große Liebe zu den Tieren?
Die Tierliebe habe ich von meiner Mutter. Wir hatten immer Hühner, Hunde und Katzen. Es gab bei uns zu Hause immer Tiere. Wir haben Igel aufgenommen oder verletzte Raben gesundgepflegt. Diese Tierliebe habe ich definitiv von meiner Mutter.

Sie tragen auch so schöne und witzige Namen. Wer hat sich das überlegt?
Unseren Hühnern gaben wir die Namen Hotte, Chicken & Nugget. Aber wir nennen sie nur „Die drei Chicks“. Ich glaube, meine Tochter Louisa hat ihnen diesen Namen gegeben. Die Meerschweinchen werden von meinem Sohn Justus umsorgt und gepflegt. Aber mein Mann Holger hat sie so liebgewonnen, dass er meinen Kosenamen Muckel abgewandelt hat und irgendwann die Meerschweinchen „Die Muckis“ nannte.

Anika, meine letzte Frage an dich. Unsere norddeutsche Lebenslust umschreibe ich auf meinem ALDO Magazin immer gerne als das „Nordische Savoir-Vivre“. Gibt es in Kappeln einen besonderen Ort, den du gerne besuchst, der einen Wow-Effekt auslöst und diesen liebenswerten, nordischen Charme ausstrahlt?
Da fällt mir ganz spontan das Gut Oehe ein. Es liegt zwischen Kappeln und Flensburg, direkt vor dem Ort Maasholm. Es ist dort wunderschön, liegt mitten in der Natur und die Ostsee ist nur einen kleinen Spaziergang entfernt. Dieser Ort strahlt diesen typischen, nordischen Charme aus. Und es gibt ein Café, ein Restaurant und einen Concept Store. Also kommt der Genuss auch nicht zu kurz. Ein wirklich schöner Ort.

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Fotos by Alwin Dombetzki | ALDO Magazin www.aldo.de
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